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KI-Server & GPU-Computing

VRAM-Guide: Wie viel GPU-Speicher braucht Ihr KI-Modell?

Wie viel VRAM ein KI-Modell braucht, hängt vor allem von drei Größen ab: Anzahl der Parameter, Genauigkeit der Gewichte und Länge des Kontexts. Als Richtwert für Inference gilt: rund 2 GB GPU-Speicher pro Milliarde Parameter in FP16, rund 1 GB in 8-Bit und etwa 0,5 bis 0,6 GB in 4-Bit – plus Reserve für KV-Cache und Laufzeit.

Daniel Gnann · · aktualisiert · 5 Min. Lesezeit

VRAM-Bedarf berechnen: die Faustregel

Der Speicherbedarf der Modellgewichte lässt sich einfach abschätzen:

VRAM für Gewichte ≈ Parameter (in Milliarden) × Bytes pro Parameter

Genauigkeit Bytes pro Parameter Beispiel 8B-Modell
FP16 / BF16 2 ca. 16 GB
FP8 / INT8 1 ca. 8 GB
4-Bit (AWQ, GPTQ, GGUF Q4) ca. 0,5–0,6 ca. 4–5 GB

Dazu kommen drei Posten, die in der Praxis oft unterschätzt werden:

  • KV-Cache: Zwischenspeicher für den bisherigen Kontext jeder laufenden Anfrage. Er wächst linear mit Kontextlänge und Anzahl paralleler Anfragen.
  • Aktivierungen und Laufzeit: CUDA-Kontext, Framework-Overhead, temporäre Puffer – grob 1 bis 3 GB.
  • Reserve: Planen Sie 10 bis 20 Prozent Luft ein. Ein Modell, das „gerade so“ passt, läuft im Betrieb selten stabil.

Der KV-Cache: warum Kontextlänge teuer ist

Bei Modellen mit Grouped-Query-Attention lässt sich der KV-Cache pro Token so abschätzen:

2 × Anzahl Layer × Anzahl KV-Heads × Head-Dimension × Bytes pro Wert

Für ein Modell der 8B-Klasse (z. B. Llama 3.1 8B mit 32 Layern, 8 KV-Heads, Head-Dimension 128) ergibt das in FP16 rund 128 KB pro Token. Ein Kontext von 8.000 Token belegt damit etwa 1 GB – pro gleichzeitiger Anfrage. Bei einem Modell der 70B-Klasse sind es rund 320 KB pro Token; 32.000 Token Kontext bedeuten dann etwa 10 GB zusätzlich.

Die Konsequenz: Ein Modell für einen Nutzer mit kurzem Kontext braucht deutlich weniger Speicher als derselbe Dienst für 20 Mitarbeitende mit langen Dokumenten im RAG-Betrieb. Inference-Server wie vLLM verwalten den KV-Cache effizient und nutzen freien VRAM gezielt für mehr parallele Anfragen – mehr dazu im Beitrag KI-Inference optimieren: Latenz und Throughput.

Richtwerte für verbreitete Modellgrößen

Die folgenden Werte beziehen sich nur auf die Gewichte und sind Richtwerte. Kontext und Parallelität kommen hinzu.

Modellgröße (Beispiele) 4-Bit 8-Bit FP16
7–8B (z. B. Llama 3.1 8B, Mistral 7B, Qwen-Modelle dieser Klasse) ca. 4–5 GB ca. 8 GB ca. 16 GB
12–14B ca. 7–9 GB ca. 14 GB ca. 28 GB
24–32B ca. 14–19 GB ca. 26–34 GB ca. 50–65 GB
Mixture-of-Experts ~47B gesamt (z. B. Mixtral 8x7B) ca. 24–28 GB ca. 47 GB ca. 94 GB
70B (z. B. Llama 3.3 70B) ca. 40–43 GB ca. 70 GB ca. 140 GB

Wichtig bei Mixture-of-Experts-Modellen: Pro Token ist nur ein Teil der Parameter aktiv, im Speicher liegen müssen aber alle. Für die VRAM-Planung zählt daher die Gesamtparameterzahl.

Welche GPU für welches Modell?

Übertragen auf unsere beiden Konfigurationen ergibt sich folgendes Bild:

  • Verda GPU S (NVIDIA RTX 4000 SFF Ada, 20 GB): Modelle der 7–8B-Klasse in 8-Bit oder 4-Bit mit komfortablem Kontext, Modelle bis etwa 14B in 4-Bit. Ein 8B-Modell in FP16 passt rechnerisch, lässt aber kaum Platz für KV-Cache und parallele Nutzer. Außerdem gut geeignet für Embedding-Modelle, Reranker und Vision-Workloads.
  • Verda GPU L (NVIDIA RTX PRO 6000 Blackwell, 96 GB): Modelle der 70B-Klasse in 4-Bit mit viel Raum für KV-Cache und parallele Anfragen, 70B in 8-Bit mit knapperem Kontext, mittlere Modelle in voller Genauigkeit sowie Fine-Tuning mit LoRA/QLoRA.

Was die beiden Klassen kosten und wovon der Preis abhängt, zeigt die Übersicht KI-Server Preise und Kosten. Einen ausführlichen Vergleich der beiden Karten finden Sie unter NVIDIA RTX 4000 vs. RTX PRO 6000. Welche Modelle sich für den Unternehmenseinsatz eignen, beleuchtet der Open-Source-LLM-Vergleich.

Training und Fine-Tuning: der VRAM-Multiplikator

Beim Training liegen neben den Gewichten auch Gradienten, Optimizer-Zustände und Aktivierungen im Speicher. Als grobe Orientierung:

  • Full Fine-Tuning: mit gängigen Optimizern ein Vielfaches des Inference-Bedarfs – für mittelgroße und große Modelle meist nur mit mehreren GPUs realistisch.
  • LoRA: Basismodell eingefroren, nur kleine Adapter werden trainiert. Bedarf liegt etwas über dem Inference-Bedarf in derselben Genauigkeit.
  • QLoRA: Basismodell in 4-Bit, Adapter in höherer Genauigkeit. Damit lassen sich Modelle der 70B-Klasse auf einer einzelnen 96-GB-GPU feinjustieren.

Praktische Details beschreibt der Beitrag Fine-Tuning auf dem eigenen GPU-Server.

VRAM sparen: bewährte Techniken

  • Quantisierung: 4-Bit-Verfahren wie AWQ oder GPTQ reduzieren den Speicherbedarf der Gewichte gegenüber FP16 um rund drei Viertel, bei meist moderatem Qualitätsverlust. Testen Sie die Qualität mit Ihren eigenen Aufgaben.
  • FP8 und FP4: Neuere GPU-Generationen beschleunigen niedrige Genauigkeiten in Hardware – die Ada-Generation unterstützt FP8, Blackwell zusätzlich FP4.
  • KV-Cache-Quantisierung: Speichert den Kontext in 8-Bit und verdoppelt so annähernd die nutzbare Kontextmenge.
  • Flash Attention: Senkt den Speicherbedarf der Attention-Berechnung bei langen Kontexten deutlich.
  • Gradient Checkpointing: Tauscht beim Training Speicher gegen Rechenzeit.
  • Kontext begrenzen: Wer die maximale Kontextlänge an den tatsächlichen Bedarf anpasst, gewinnt oft mehr als durch jede andere Maßnahme.

Häufige Planungsfehler

  • Nur die Gewichte rechnen und KV-Cache sowie parallele Nutzer vergessen
  • Die maximal mögliche Kontextlänge des Modells einstellen, obwohl 8.000 oder 16.000 Token genügen
  • Quantisierung pauschal ablehnen, statt die Qualität am eigenen Anwendungsfall zu prüfen
  • Keine Reserve für Embedding-Modell oder Reranker einplanen, die im RAG-Betrieb auf derselben GPU laufen

Häufige Fragen

Wie viel VRAM braucht ein 70B-Modell?
In 4-Bit belegen die Gewichte eines 70B-Modells rund 40 bis 43 GB, in FP16 rund 140 GB. Hinzu kommen KV-Cache und Laufzeit. Für den produktiven Betrieb mit mehreren Nutzern ist eine GPU mit 96 GB in 4-Bit eine solide Basis.
Reichen 20 GB VRAM für ein lokales LLM?
Ja, für Modelle der 7–8B-Klasse in 8-Bit oder 4-Bit und für quantisierte Modelle bis etwa 14B. Für viele Aufgaben wie Zusammenfassungen, Klassifikation oder RAG mit gutem Retrieval ist das ausreichend. Für größere Modelle oder viele gleichzeitige Nutzer ist mehr Speicher sinnvoll.
Verschlechtert Quantisierung die Antwortqualität?
Etwas, aber oft weniger als erwartet. 8-Bit ist in der Regel kaum von FP16 zu unterscheiden, bei 4-Bit hängt der Effekt von Modell und Aufgabe ab. Entscheidend ist ein Test mit Ihren eigenen Beispielen.
Kann ich VRAM mehrerer GPUs zusammenlegen?
Ja, per Tensor- oder Pipeline-Parallelisierung verteilen Frameworks wie vLLM ein Modell auf mehrere GPUs. Das erhöht aber Komplexität und Kommunikationsaufwand. Wenn ein Modell auf eine einzelne große GPU passt, ist das meist die einfachere Lösung.
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